Arbeitsmedizinische Vorsorge: Reihenuntersuchungen bei Zeckenstichgefahr?

Durch Zecken können verschiedene Krankheiten wie Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen werden.

Gegen FSME steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung. Dies ist für Borreliose nicht der Fall. Insbesondere bei längeren und häufigen Aufenthalten in Bereichen, in denen sich Zecken wohlfühlen (z. B. Gehölze, niedrige Vegetation usw.) besteht Infektionsgefahr. Eine Infektion mit Borrelien ist nicht immer leicht zu erkennen und kann in Einzelfällen zu chronischen Erkrankungen führen, die dann nur sehr schwer zu behandeln sind. Aus diesem Grunde taucht gelegentlich die Forderung auf, beruflich zeckenexponierten Personen regelmäßig eine Blutuntersuchung auf eine eventuell stattgefunden Infektion anzubieten.

Werden bei der aufwendigen Untersuchung Antikörper gegen Borrelien gefunden, so besagt das lediglich, dass sich das Immunsystem des Betroffenen irgendwann einmal mit Borrelien auseinander gesetzt hat. Dies kann auch ohne Krankheitserscheinungen geschehen. Ein weiterer Nutzen ist aus den Untersuchungsergebnissen nicht zu erzielen, im Gegenteil: Ein positives Untersuchungsergebnis (d. h. es wurden Antikörper festgestellt) führt bei vielen Betroffenen zu Verunsicherung.

Die Landesunfallkasse Niedersachsen ist Unfallversicherungsträger zahlreicher zeckenexponierter Beschäftigter (z. B. Forstwirte und Straßenwärter).

Um zu klären, ob eine regelmäßige Blutuntersuchung für diesen Personenkreis sinnvoll ist, wurde ein mit dem Zeckenproblem vertrauter Betriebsarzt um eine Stellungnahme gebeten.

Diese erfolgt in Abstimmung mit dem Nationalen Referenzzentrum für Borreliose in München und wurde von der Landesunfallkasse Niedersachsen übernommen.

Danach ist eine Blutuntersuchung aller gefährdeten Beschäftigten, ohne dass Symptome vorliegen, als Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge aus medizinischen Gründen abzulehnen.

Schwerpunkt der Arbeitsmedizinischen Vorsorge sollte die regelmäßige ausführliche Beratung zeckenexponierter Beschäftigter durch den Betriebsarzt sein. Dabei sind Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen durch Zeckenstiche und mögliche Symptome einer Borreliose in den Vordergrund zu stellen. Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass Beschäftigte während der Arbeitzeit erlittene Zeckenstiche zu dokumentieren haben (hier reicht in der Regel ein Eintrag in das Verbandbuch).

Der Gemeindeunfallversicherungsverband Hannover und die Landesunfallkasse Niedersachsen werden im Herbst 2007 eine Fachtagung für Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte zum Thema Borreliose durchführen.

Für Ihre Rückfragen zu dieser Information:

Dr. Günter Müller-Heidt
Prävention
Telefon: 0511/8707- 201

Email: g.mueller-heidt@guvh.de

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